Allein über den Nordatlantik

Da waren es am Ende 4 lange Wochen, die ich in Bermuda auf gutes Wetter für die Atlantiküberquerung gewartet habe. Ein ganzer Monat auf einer zwar sehr schönen, aber eben auch kleinen Insel wo es nicht sooo viel zu tun gibt. Doch das Warten hatte sich gelohnt: Für den Törn zu den Azoren sah der Wind richtig gut aus für eine sichere und schnelle Überfahrt.

Da mein Mitsegler dringend nach Hause musste, stand ich am Ende alleine mit Luna da. Vor mir 1850 Seemeilen offener Nordatlantik. Ein Gebiet wo sich gerne Sturmtiefs rumtreiben und sich hohe Wellen auftürmen. Sollte ich das alleine wagen? Ich hatte ja schon zwei Ozeanüberquerungen einhand gemacht, die waren allerdings gemütlich in den tropischen Passatwinden. Das hier ist eine andere Hausnummer. Doch über die Wochen war die Entscheidung gereift: Ja, das Abenteuer packe ich!

Am Morgen vor meiner Abfahrt zog noch ein Trogtief vorbei, wobei es mit Windstärke 9 wehte und eine Yacht auf den Felsen getrieben wurde. Das war extra kribbelig genau hinter diesem Tief loszufahren, als der Wind nachließ. Doch genau das war mein Startsignal. Die See war erst noch rauh und unruhig, aber schon am nächsten Tag ging es richtig gut voran.

Am fünften Tag unterwegs und kurz vor der Hälfte überholte mich eine Kaltfront und sorgte dahinter für nochmals sehr unruhige Wellen und wenig Wind. Eigentlich war es genug Wind zum Segeln, doch das Schiff wurde übel hin und her geworfen. Dabei schlug das Großsegel einmal so heftig gegen den Mast, dass es ein verräterisches Knacken gab: 2 Salinge waren eingerissen. Um nichts zu riskieren ging es daher die letzten 700 Seemeilen nur noch mit der Genua weiter. Das Großsegel blieb unten um den Mast zu schonen.

Der kleine aber unangenehme Riss an der Saling

Mit der zusätzlichen Hilfe von 280 Litern Diesel als Großsegel-Ersatz erreichte ich so nach 10 Tagen und 13 Stunden auf See den Hafen von Horta auf den Azoren.

Bunt bemalt sind die Stege in Horta

Müde war ich nach den Nächten ohne richtigen Schlaf, ausgelaugt von den unruhigen Schiffsbewegungen, doch glücklich es geschafft zu haben: Allein über den Nordatlantik. Gefeiert habe ich meine Ankunft wie es sich gehört in Peters Cafe Sport mit Gin Tonic.

Peters Cafe Sport: Der legendäre Treffpunkt der Atlantiksegler

Die Azoren sind landschaftlich echt richtig schön: Üppige grüne Vegetation mit vulkanischen Bergen und stellenweise gerade erkaltete Lavafelder.

Nur 60 Jahre ist die Lava alt, die den Leuchturm halb verschüttete

„Üppig grün“ heißt aber auch reichlich Niederschlag. In der einen Woche dort hatte ich alles: Nebel, Sprühregen, Landregen, Platzregen. Dazwischen nur ein richtig sonniger Tag. Und wirklich warm ist es bei 16 Grad Wassertemperatur ja auch nicht. Das ist nicht so mein Klima.

Blick von Faial zur 3000m hohen Nachbarinsel Pico

So ging es baldmöglichst auf die letzten 1000 Seemeilen, die ich bis Portugal noch vor mir hatte. Die verliefen recht unspektakulär. Mein Mast war repariert und ein Nordwind blies mich gut zur südwestlichen Ecke Europas. Damit habe ich nach 9 Monaten die Runde um den Atlantik geschafft.

Mein Track über den Ozean von Bermuda nach Portugal

Jetzt geht es etwas ruhiger weiter bis in einem Monat meine Sommer-Wartungs-Pause in Gran Canaria beginnt. Luna hat in einem Jahr 14.000 Seemeilen zurückgelegt und das ohne große Probleme. Da hat sie sich ein bisschen Wellness verdient. Und ich mir etwas Landurlaub bevor es im Winter wieder heißt: Auf in die Karibik!

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