Eine Runde um die Ostsee

Jetzt sind es schon fast 4 Wochen, die ich allein mit Luna auf der Ostsee unterwegs bin. Man sollte meinen, eine ganz schön lange Zeit. Doch rückblickend sind diese erlebnisreichen, ein bisschen anstrengenden und sehr erholsamen Wochen nur so verflogen.

Vor dem Start hatte ich auf den letzten Drücker noch meinen Autopiloten-Antrieb vom Service zurück erhalten habe. Der hat jetzt eine neue Kupplung und funktioniert besser als alles, was ich an Autopiloten bisher kannte. Die Trommel der Vorsegel-Rollanlage ist ebenfalls neu und dreht schön leicht. Das neue Gehäuse für meinen Kartenplotter am Steuerstand musste ich am Ende selbst bauen, da keine Firma die Zeit (oder Lust?) dazu hatte. Auch dieses Ergebnis kann sich sehen lassen und so war Luna bereit zum Auslaufen.

Los ging es von Rostock aus in Richtung Dänemark und Bornholm und nach Plan über Polen nach Litauen. Nunja, wie das mit den Plänen in der Ostsee so ist: Der Wind passt dazu meist nicht. Da will ich nach Osten und es weht genau von dort. Am Ende habe ich Polen gestrichen und bin direkt nach Klaipeda in Litauen gesegelt – 200 Meilen nonstop. Endlich mal wieder ein richtiges Stück segeln!

In Litauen lag ich in einem ehemaligen Festungsgraben. Wo auf der Welt hat man das schön? Klaipeda, früher die deutsche Stadt Memel, hat eine ganz nette Altstadt doch ansonsten den typisch rustikalen osteuropäischen/russischen Charme mit vielen Plattenbauten. Doch auf der anderen Seite des Flusses Memel gibt es die kurische Nehrung, eine etwa 100 km lange Landzunge mit Kiefernwald, Dünen und einem einsamen, feinen Sandstrand. Die einzige Strandbar dort hatte ich an diesem Tag für mich allein.

Mein ursprünglicher Plan sah vor, weiter nach Riga zu segeln. Was soll ich sagen, der Wind wollte nicht so und ich hatte ohnehin mehr Lust auf schwedische Naturhäfen. Also auf über Gotland nach Stockholm, wo ich noch alte Segelfreunde besucht habe. Nach ein paar Tagen in den schwedischen Schären hab ich mich etwas früher als gedacht auf den Rückweg gemacht. Denn, ihr ahnt es vielleicht schon, die Windvorhersage versprach nichts Gutes.

So plage ich mich seit einer Woche auf dem Weg nach Süden mit Südwind herum und die nächsten Tage auf dem Weg nach Westen mit Westwind. Luna segelt zwar gut am Wind, doch sie fordert mich dabei ganz schön. Kein langer Segeltag bleibt ohne Muskelkater, gestern sogar auf der Vorderseite der Schienbeine. Ansonsten genieße ich die Herausforderung mit ihr allein unterwegs zu sein. Die letzten 800 Seemeilen hat das sehr gut geklappt. Bleiben noch 200 bis nach Hause. Und zwei Wochen später geht es dann schon weiter: Auf zu den Kanarischen Inseln!

Allein auf See - bei der einzig möglichen Gelegenheit auch mit Spi
Allein auf See – bei der einzige möglichen Gelegenheit auch mit Spi
02
Am einsamen Strand in Litauen
03
Die Strandbar habe ich ganz für mich allein
04
Angekommen ich Schweden rechtzeitig zum Midsommar-Fest
05
Mit Luna zum ersten mal vor Anker
06
Willkomen in den felsigen Schären – im Nebel
07
Zum Glück kehrt der Sommer bald zurück

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