Matilda auf Rädern

Alle Jahre wieder ist es an der Zeit, einem Schiff einen neuen Unterwasseranstrich zu verpassen. Damit sich am Rumpf keine Algen und Muscheln bilden, ist der Bereich unter Wasser mit einer einigermaßen giften Farbe gestrichen. Dieser Bewuchsschutz hält etwa ein Jahr, dann ist eine neue Schicht Farbe fällig. Bei Matilda war dies inzwischen längst wieder fällig und so ging es in Curacao mit dem Schiff in die Werft.

Hier in Curacao habe ich nun schon das dritte mal mein Schiff aus dem Wasser holen lassen. Mit einem hydraulischen Hubwagen wird das Schiff sehr sanft angehoben und über eine Rampe an Land gezogen. An Land kann es dann zu einem Stellplatz gefahren und ebenso sanft abgesetzt werden. Eine super Sache, besser als jeder Kran!

Kaum stand Matilda an Land ging direkt die Arbeit los: Unterwasserschiff nass anschleifen, Wasserpass abkleben, am nächsten Tag 2-3 Schichten neue Farbe aufrollen. Damit war das Antifouling fertig. Auf der Arbeitsliste hatten wir noch ein paar andere Dinge wie einen kleinen Riss im Heck, der Austausch von Dichtungen an den Notausstiegen und das Austauschen der Dichtringe beim Getriebe. Über letzteres hatte ich mir am wenigsten Sorgen gemacht – ein großer Fehler, wie sich zeigen sollte.

Beim Zerlegen des Antriebs stellte sich nämlich heraus dass es nicht korrekt eingebaut worden ist. Selbst mit Hilfe des Servicebetriebs vor Ort haben wir es kaum auseinander bekommen. Einmal zerlegt konnten wir die Dichtringe schnell tauschen und es ging wieder an den Zusammenbau. Ein bisschen stutzig machte uns dass eine Nadel aus einem Lager herausgefallen war. Nunja, kann man ja wieder hineindrücken. Doch irgendwie passte das alles nicht und am Ende war das Lager ganz verbogen und wir ziemlich ratlos mit einem nun nicht funktionsfähigen Getriebe.

Der Servicebetrieb stand ebenso ratlos da: Dieses Lager ist schwierig bis unmöglich auszubauen. Selbst ein angeblicher Spezialist konnte da nichts ausrichten. Keiner hatte das nötige Spezialwerkzeug. Also nicht nur ein neues Lager sondern gleich ein komplettes Gehäuse bestellen? Nein, so leicht gebe ich nicht auf. Am nächsten Tag eine Stunde mit Flex, Bohrmaschine, Feile und Gewindeschneider an einem massiven Stück Stahl gearbeitet und fertig war das Werkzeug zum Entfernen. Weitere 2 Minuten später war das Lager draußen.

Am Ende hat uns dieses kleine Lager 6 Tage Zeit, unsere geplante Route nach Jamaica und mich einiges an Nerven gekostet. Doch was zählt ist dass wir nun wieder ein funktionierendes Getriebe haben, Matilda wieder schwimmt und es morgen weiter gehen kann. Nun direkt nach Panama, die Zeit drängt inzwischen. Vor uns liegen bis dorthin 730 Seemeilen. Das sollten 5 hoffentlich entspannte Tage auf See werden, bevor in Panama der Papierkram für die Kanalpassage ansteht.

Schreibe einen Kommentar