Mehr Rum aus Barbados und die CARIBBEAN 500

Es gibt bei mir durchaus Zeiten in denen nicht so viel passiert und über die ich dann wenig zu schreiben habe. Die letzten Wochen zählten allerdings nicht dazu. Da war es mehr so dass ich überhaupt nicht ans schreiben denken konnte. Daher hoffe ich ihr habt etwas Zeit denn heute gibt es viel zu berichten.

Nachdem ich Anfang Januar in Antigua ankam ging zunächst das große Räumen los: Alles was nicht unbedingt nötig war kam von Bord und in einen Lagerraum den ich gemietet hatte. Das waren locker 350kg Werkzeuge, Ersatzteile und so weiter. Danach schwamm Luna einige Zentimeter höher im Wasser und los ging es nach Barbados zur Sailing Week.

Dort angekommen standen zunächst 3 Tage Küstenregatten auf dem Programm wobei wir am ersten Tag unsere Genua beschädigten. Nach einem Tag Reparaturpause ging es dann am letzten Tag nochmal weiter, jetzt natürlich ohne große Chancen auf eine gute Gesamtplatzierung. Dafür fühlte ich mich gut vorbereitet auf meine Lieblingsstrecke: das Round Barbados Race. Wie im letzten Jahr schon einhand, also allein und ohne Crew – und mit dem Ziel meinen eigenen Rekord zu brechen.

In grandioser Umgebung findet in Barbados die Regatta statt

Die Windvorhersage war eher auf der ungemütlichen Seite mit Windstärke 6 und in Schauerböen 7-8. Dafür könnte es eine schnelle Runde werden. Was ich nicht erwartet hatte: Es wurde verdammt rauh. An der Nordspitze der Insel warteten 3m hohe vertikale Wasserwände (der Begriff „Welle“ wäre hier einfach zu zahm). Mit angezogener Handbremse habe ich mich da hindurch gearbeitet um dann die Ostseite der Insel mit einem strammen Am-Wind-Kurs und fiesen Böen und Winddrehern bei tropischen Regengüssen in Angriff zu nehmen.

Nach einigen Stunden kam ich endlich an die ersehnte Ostspitze und konnte nun mit dem kräftigen Rückenwind in Richtung Ziel fliegen. Zeitcheck: Rekordzeit minus 40 Minuten. Ich will meinen Rekord eigentlich nur ein bisschen brechen und nicht pulverisieren. Also wieder Handbremse anziehen und gemütlich ins Ziel schippern. Das Ergebnis: Neuer Rekord 10 Minuten unter der alten Zeit. Perfekt. Also ab zur Preisverleihung, Trophäe und meine Körpergewicht aufgewogen in Rum mitnehmen und weiter geht’s zum nächsten Event.

Preisverleihung in Barbados bei der es wieder mein Gewicht in Rum aufgewogen gab

Nun stand die CARIBBEAN 600 auf dem Programm. Das ist eine der wichtigen und großen Offshore-Regatta organisiert vom Royal Ocean Racing Club mit 600 Seemeilen Länge kreuz und quer um 11 karibische Inseln. Mit dabei sind die schnellsten, größten, neuesten und teuersten Rennyachten der Welt gesegelt von Olympiasiegern, Weltmeistern und sonstigen Größen im Segelsport. Und mit denen will ich mich mit meiner Luna anlegen.

Der Kurs der CARIBBEAN 600 rund um 11 Inseln

Entsprechend groß war meine Anspannung bei der Optimierung von noch vielen Kleinigkeiten und der Suche nach ein paar zusätzlichen fähigen Crewmitgliedern. Am Tag des Starts waren wir dann einigermaßen gut vorbereitet und trainiert. Die Windprognose: Schon wieder Windstärke 6 in Böen 7 mit Schauern und das für die gesamte Regatta. Immerhin war die Richtung für den Kurs günstig, doch unsere Idealbedingungen sind das wahrlich nicht. Also Segel schön klein gerefft und los gings zum Start. Dazu hier das sehenswerte Video:

Wir sind bei Sekunde 15 / 16 ganz kurz rechts im Bild zu sehen

Wir kommen gut los und schlagen uns bis nach Barbuda hoch recht passabel. Dann beginnt jedoch eine Vor-Wind-Strecke für die wir kein optimales Segel bei den starken Böen setzten können. Daher verlieren wir einiges an Zeit und liegen auf Platz 11 von 20 in unserer Klasse. Immerhin ist noch alles heil, die ersten haben schon Spinnaker zerfetzt oder komplett aufgegeben.

Nach dem Start geht es mit Vollgas auf Halbwind-Kurs in Richtung Barbuda

Am nächsten Morgen nehmen wir den nördlichen Teil des Kurses in Angriff: 35 Seemeilen gegen den Wind kreuzen um St. Barth zu runden und dann rüber nach St. Martin um auch das zu umrunden. Soweit geht es bei dem starken Wind und hohen Wellen überraschend gut bei uns. Inzwischen haben schon 27 der 84 gestarteten Yachten aufgegeben und ein großer Katamaran ist gekentert. Weiter geht es ein langes Stück bei etwas ruhigerem Halbwindkurs in den Süden von Guadeloupe.

Je länger der starke Wind anhält desto höher werden die Wellen

Dort angekommen zeigen sich langsam erste Verschleißspuren: Ständig schießt eimerweise Seewasser über das Schiff (manchmal auch ein paar Badewannen voll). Das durchnässt auf Dauer die Crew und selbst unter Deck gibt es kaum noch einen trockenen Fleck. Die starken Schiffsbewegungen und Schlafmangel zehren an den Kräften. Und auch am Schiff gibt es das erste Problem denn die Rollreffanlage beginnt sich zu zerlegen. Eine blöde Fehlkonstruktion, die hatte ich schon einmal aus dem gleichen Grund ausgetauscht. Aber dafür liegen wir inzwischen auf Platz 7! Also setzen wir schnell die kleine Stagfock um den Schaden nicht noch zu vergrößern und weiter geht die Aufholjagd!

Noch es geht mit vollem Speed voran

Jetzt kommt der bisher härteste Teil, denn es geht gegen den Wind um die Luvseite von Guadeloupe. Wacker kämpft sich Luna und ihre Crew die ganze Nacht lang durch die inzwischen 4 m hohe See mit dazu fiesen Schauerböen und Platzregen. Der Wind legt immer mehr zu und ein anderes Schiff neben uns gibt gerade auf. Kurz danach macht es auch bei uns „PENG!“ und das Fall vom Stagsegel ist gerissen. Die Windstärke dabei: 8 Beaufort bzw. 37 Knoten. Damit können wir nun kein Vorsegel mehr setzen obwohl die Segel selbst unbeschädigt sind. Argh! Zeitgleich erwischt es die dritte Yacht in unserer Nähe. Ganz schöne Materialschlacht.

Zum Glück können wir die Insel gerade noch runden und haben nun einen ruhigeren Kurs um nach Lösungen zu suchen. Diese finden wir aber nicht und um nicht noch das ganz große Desaster zu riskieren entscheide ich mit schweren Herzens für die Aufgabe des Rennens. So ärgerlich, denn 500 der 600 Seemeilen hatten wir schon geschafft. Am Ende sind wir damit eine der 43 Yachten die aufgeben müssen. Nicht einmal jeder Zweite hat es ins Ziel geschafft.

Zurück im Hafen werden wir mit Bier und Transparent begrüßt

Ein großartiges Erlebnis war es trotzdem und es juckt mich schon in den Fingern es irgendwann noch einmal zu probieren. Jetzt geht es jedoch zunächst nach St. Martin wo ich einige Wochen Zeit habe die defekte Rollreffanlage auszutauschen. Außerdem verstärke ich die Crew von meinen Freunden von der GODSPEED bei der Heineken Regatta. Dann dürfte es bald schon Mitte April sein und damit Zeit den Weg zurück über den Atlantik in Richtung Ostsee anzutreten.

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