Polynesische Traditionen

Tahiti und ihre Inseln, so bezeichnen die Einwohner Französisch Polynesiens gerne ihr eigenes Land. Diese Bezeichnung finde ich recht zutreffend, ist Tahiti schließlich die größte Insel mit den meisten Einwohnern, der Hauptstadt Papeete, dem internationalen Flughafen und überhaupt das Versorgungszentrum für alle andere Inseln. Papeete ist eine moderne große Stadt, mit allen damit zusammenhängenden Vor- und Nachteilen.

Doch es geht bei weitem nicht die ganze Zeit um Fortschritt und Handel. Während unseres Aufenthalts kamen 3 nach historischem Vorbild gebaute Segelkatamarane nach Tahiti. Ihre Reise von Hawaii und weiter über den Pazifik stellt die Besiedelung von Polynesien nach und ist ein gelebtes Stück Geschichte. Mit einem entsprechend großen und würdigen Empfang wurden die Schiffe daher in Tahiti begrüßt. Ich habe ja schon einiges an Empfängen und Tanzvorführungen gesehen, doch bisher noch nie etwas so emotionales und ausdrucksstarkes. Einen kleinen Ausschnitt davon habe ich als Video für euch:

Video Tahitianischer Tanz

Weiter auf unserer Reise konnten wir in Tahaa die Produktion von Vanille kennen lernen. Dabei geht es ebenfalls noch sehr ursprünglich zu. Vom Bestäuben der Blüten von Hand über das Pflücken, Trocken, Fermentieren, nochmal Trocken und schließlich Sortieren ist noch alles Handarbeit. Jede Vanilleschote wird dabei mindestens 5 Mal in die Hand genommen. Ein großer Aufwand, doch ein wundervoll duftendes Endprodukt!

Angekommen auf Bora Bora war es wieder einmal Zeit für das alljährliche Heiva-Fest. Dabei messen sich die Einwohner der Insel in verschiedenen traditionellen Disziplinen, unter anderem der für mich schönsten: Tanzen! In knappen Kostümen lassen die Tänzerinnen dabei in atemberaubender Geschwindigkeit die Hüften kreisen, schneller als es das Auge oder die Kamera einfangen kann. Kein Wunder dass die ersten europäischen Seefahrer lieber hier bleiben wollten, anstatt ins kalte England zurück zu segeln.

Die letzte und kleinste in der Kette der Gesellschaftsinseln ist Maupiti, wo ich bei meinem letzten Törn vorbeigesegelt bin. Dabei ist es DAS Juwel unter den ganzen schönen Insel. Wer an Südsee denkt, wird wohl Maupiti vor seinem inneren Auge sehen. Jedes Klischee wird hier erfüllt: Die türkise Lagune, weiße feine Strände, jede Menge Palmen, dazu freundliche Menschen und kaum Tourismus. Und auch hier werden alte Traditionen gelebt. Die historischen Katamarane sind inzwischen auf dieser Insel angekommen und wurden mit einem großen Empfang willkommen geheißen.

Als besonderes Geschenk zu Ehren der Besucher haben die Einwohner Maupitis das traditionelle Steinfischen veranstaltet, was nur alle 10 Jahre passiert. Was für ein Glück, dass wir dies miterleben durften! Beim Steinfischen wird alles was als Boot zu verwenden ist hübsch mit Palmwedeln geschmückt und dann in zwei Reihen auf beiden Seiten der Lagune in Stellung gebracht. Nach einem Rauchsignal beginnen sich die Bootsreihen aufeinander zu zu bewegen. Dabei wird kontinuierlich ein am Bug an einer Leine befestigter Stein ins Wasser geworfen und wieder rausgeholt. So sollen die Fische vor den Schiffen her getrieben werden.

Kommen die Bootsreihen sich näher, bilden sie langsam einen Halbkreis um die Fische in eine vorbereitete, gut 200 Meter breite Falle auf Palmwedeln zu treiben. Die Frauen der Insel schließen die Falle und ziehen sie zu einem immer kleiner werden Kreis zusammen. Am Ende sind dann alle Fische in einem kleinen Kreis von gerade mal 5 Metern Durchmesser zusammengetrieben und können darin einfach gefangen werden. Nun ja, „könnten“ trifft es wohl eher. Leider gibt es aufgrund des Korallensterbens kaum noch Fische in der Lagune. Die Ausbeute war daher gering, das Erlebnis aber dennoch unvergesslich und die Stimmung großartig!

Sobald die Wetterlage es zulässt, müssen wir uns von diesem schönen Platz verabschieden und weitersegeln. Es geht über das Suwarrow-Atoll in den Cook Inseln bis nach Samoa. Es ist zwar schon höchste Zeit loszufahren, doch ohne den passenden Passatwind bringt das nicht viel. So ist das halt beim Segeln. Also heißt es abzuwarten in der Lagune von Maupiti. Nun, es gibt wahrlich Schlimmeres 🙂

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